9 Februar 2026

Ludwig Rellstab – Internationaler Schachmeister aus Berlin

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Lange Zeit galt Schach als ein unterhaltsames und lehrreiches Spiel. Erst im 19. Jahrhundert, mit der Einführung internationaler Turniere, wurde es offiziell als Sport anerkannt. In Deutschland legte der Deutsche Schachbund, gegründet im Jahr 1886, den Grundstein für den professionellen Schachsport.

Zu den herausragenden deutschen Schachmeistern gehörte Ludwig Rellstab – internationaler Meister, Autor zahlreicher Schachbücher und Teilnehmer am Schachturnier der Nationalmannschaft des Dritten Reiches. Lesen Sie mehr unter iberlin.eu.

Frühe Begeisterung für das Schachspiel

Ludwig Rellstab wurde im November 1904 in Berlin geboren. In seiner Familie spielten sowohl Musik als auch Schach eine wichtige Rolle. Sein Großvater, nach dem er benannt wurde, war ein angesehener Dichter und Musikkritiker in der Deutschen Kaiserzeit, während sein Vater als Chefingenieur bei Siemens tätig war. Trotz unterschiedlicher Interessen verband die beiden eine Leidenschaft: das Schachspiel.

Schon als Elfjähriger begleitete Ludwig seinen Vater zu Schachveranstaltungen. Anfangs nur als Zuschauer, doch schon bald saß er selbst am Brett – und entdeckte seine Begeisterung für das königliche Spiel.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg zog die Familie nach Niederlande, da der Vater befürchtete, dass das Leben in Deutschland nach dem Krieg schwierig werden würde. Nach seinem Schulabschluss kehrte Ludwig jedoch zurück und studierte Physik und Mathematik in München und Berlin. Seine Liebe zum Schach blieb ungebrochen – 1928 wagte er die Teilnahme an einem großen Berliner Turnier. Trotz der starken Konkurrenz durch Meister wie Richter, Aues und Mieses schaffte er es, 0,5 Punkte zu holen – für ihn ein bescheidener, aber motivierender Start.

Der Weg an die Spitze

Die Niederlage entmutigte ihn nicht. Stattdessen vertiefte er sein Wissen über Schachtheorie, begann als Schachjournalist zu arbeiten und entwickelte eigene Kombinationen.

Er wurde Co-Redakteur von „Schachtaschenjahrbuch“ und „Streitfälle aus der Turnierpraxis“ und trat dem Berliner Schachverein bei. Dort spielte er gegen namhafte Meister wie Tarrasch, Lasker, Teichmann und Rubinstein, von denen er viel lernte.

1930 meldete sich Rellstab zur Berliner Meisterschaft an – und sorgte für eine Überraschung: Er teilte sich den ersten Platz mit Richter. Dies war sein Durchbruch. Fortan war er auf Turnieren in Swinemünde, Saarow, Bad Nauheim, Sopot und Elster vertreten – und stets unter den besten Spielern.

Schach als politisches Instrument im Dritten Reich

Schach wurde im Dritten Reich nicht nur als Sport, sondern auch als politisches Werkzeug genutzt. Zwar hatten Marxisten diese Idee zuerst aufgegriffen, doch die Nationalsozialisten setzten sie konsequenter um.

Als Hitler 1933 an die Macht kam, erklärte er Schach zur „nationalen Disziplin“ und befahl die Säuberung der Schachclubs von jüdischen Spielern. Die Großdeutsche Schachbund übernahm fortan die Organisation von Turnieren.

Hitler glaubte, dass Schach logisches Denken und strategisches Geschick fördere – wichtige Eigenschaften für Offiziere. Deshalb gehörte ein Schachspiel sogar zur Standardausrüstung der Wehrmacht.

Rellstab im Schachteam des Dritten Reiches

Rellstabs Erfolge blieben nicht unbemerkt. 1936 wurde er in die Schachnationalmannschaft des Dritten Reiches berufen. Bei der inoffiziellen Schacholympiade spielte er am 8. Brett und gewann zwei Bronzemedaillen – eine in der Einzelwertung und eine mit dem Team.

Seine Mannschaftskollegen waren bekannte Namen wie Richter, Aues, Engels, Karls und Sämisch.

Ein Meister der Schachtheorie

Rellstab kombinierte sein wissenschaftliches Denken mit Schach und entwickelte eine eigene Strategie: die Rellstab-Attacke im Mährischen System der Slawischen Verteidigung.

Seine Theorie wurde später von Max Euwe und Michail Botwinnik übernommen und tauchte 2006 sogar im WM-Match Anand – Kramnik wieder auf.

1937 gewann Rellstab die Berliner Meisterschaft und spielte erfolgreich beim Superturnier in Kemeri. Dort besiegte er Samuel Reshevsky, einen der Turniersieger, und belegte eine solide Platzierung.

Meistertitel und ein umstrittenes Championat

1942 wurde Rellstab Deutscher Meister, doch sein Titel war umstritten.

Viele Schachhistoriker betonten, dass der Titelgewinn auch durch das Fehlen starker Gegner möglich wurde:

  • Die deutsche Nationalmannschaft war nach der Schacholympiade in Südamerika unvollständig zurückgekehrt.
  • Die NS-Regierung hatte nicht-arischen Spielern die Teilnahme verboten.

Trotz dieser Diskussionen war sein Sieg über Weltmeister Alexander Aljechin beim Turnier in München (1942) ein Beweis für seine Spielstärke.

Ein Neuanfang nach dem Krieg

Wie sein Vater kalkulierte auch Rellstab präzise – aber auf dem politischen Schachbrett. Als die Rote Armee 1944 näher rückte, zog er nach Hamburg, das von den westlichen Alliierten kontrolliert wurde.

Dort begann er eine zweite Karriere:

  • Schachkolumnist bei der „Hamburger Abendblatt“
  • Sekretär des Deutschen Schachbundes

1950 verlieh ihm die FIDE den Titel Internationaler Meister, ein Jahr später wurde er Internationaler Schiedsrichter.

Bis dahin hatte er:

  • Dreimal die Berliner Meisterschaft gewonnen
    Fünfmal die Hamburger Meisterschaft

Letzte Turnierjahre und Vermächtnis

Doch Rellstab wollte nicht nur analysieren – er wollte spielen.

  • 1947: Sieg beim Turnier in Stuttgart
  • 1950–1954: Teilnahme an drei Schacholympiaden
  • 1957:
    • Sieg beim Turnier in Wyborg
    • Deutscher Meister mit dem Team Hamburg
    • Teilnahme am ersten inoffiziellen Europapokal
    • Europäische Mannschaftsmeisterschaft: Remis gegen Tschechoslowakei, knappe Niederlage gegen Tolusch (UdSSR)

Bis 1977 spielte er weiterhin auf hohem Niveau.

Sein letztes großes Turnier war ein Mannschaftsduell der besten Hamburger Spieler gegen europäische Schachstars.

Erbe für den Schachsport

Nach der Wiedervereinigung engagierte sich Rellstab für die Förderung des Schachs. Seine Schüler prägten die deutsche Schachlandschaft.

Heute kämpfen deutsche Vereine jährlich um den Titel „Bester Schachklub der Saison“. Die 1. Schachbundesliga ist das höchste Niveau, und es gibt sogar eine Deutsche U14-Meisterschaft.

Ludwig Rellstab verstarb 1986 in Wedel. Doch sein Name lebt weiter – in Lehrbüchern, Turnieren und seinen erfolgreichen Schülern.

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