9 Februar 2026

Ein Berliner erfand den zuverlässigsten Schutz vor ungewollter Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten

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Sex war über weite Teile der Menschheitsgeschichte stets mit Risiken verbunden: ungewollte Schwangerschaften oder die Gefahr, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten anzustecken. Menschen unternahmen zahlreiche Versuche, diese Risiken zu minimieren. Doch die verfügbaren Schutzmittel boten oft weder ausreichende Sicherheit noch praktische Handhabung. Über den Berliner, der der Menschheit den zuverlässigsten Schutz vor Geschlechtskrankheiten und ungewollter Schwangerschaft bot, lesen Sie mehr auf iberlin.eu.

Geschichte des Kondoms

Die Methoden, sich beim Geschlechtsverkehr zu schützen, waren vielfältig. Tierdärme, Fischblasen, Leinenhüllen, geöltes Papier – die Liste der Materialien, die einst als Kondome dienten, ist lang. Schon die alten Ägypter kannten sogenannte „Hamsäcke“.

Der heutige Begriff „Kondom“ geht vermutlich auf den englischen Hofarzt Colonel Dr. Condom zurück, der während der Herrschaft von König Charles II. Schafdärme als Verhütungsmittel empfahl. Einen entscheidenden Fortschritt machte Charles Goodyear, als es ihm 1839 gelang, Kautschuk zu vulkanisieren und für die Gummiherstellung zu nutzen. Gummi war ein deutlich besseres Material für Kondome als die zuvor genutzten Alternativen.

Die ersten Kondome aus Gummi waren jedoch rudimentär. Sie bestanden aus zusammengenähten Gummistreifen, deren Nähte nicht nur unangenehm kratzten, sondern auch die Sicherheit des Produkts beeinträchtigten. Später hatten sie eine Dicke von zwei Millimetern und einen dicken Längsnaht – ein klares Sicherheitsrisiko und alles andere als angenehm.

Die ersten nahtlosen Kondome

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu einem entscheidenden Durchbruch – und dieser kam aus Berlin. Der Gummifabrikant Julius Fromm begann mit der Produktion der ersten nahtlosen Kondome.

Fromms Geschichte ist ein Beispiel für unternehmerischen Pioniergeist. Als Sohn armer jüdischer Einwanderer belegte er Abendkurse in Chemie, um die Grundlagen der Kautschukverarbeitung zu erlernen. 1914 gründete er in einem Hinterhof in Berlin-Prenzlauer Berg ein Unternehmen zur Herstellung von Parfümerie- und Gummiwaren.

Für die Produktion tauchten Fromms Mitarbeiter gläserne Zylinder in eine Kautschuklösung, vulkanisierten sie, rollten sie ab und bestrichen sie mit Gleitmitteln. Auf diese Weise wurden die ersten nahtlosen Kondome industriell gefertigt.

Emigration nach England

1916, mitten im Ersten Weltkrieg, brachte Fromm seine Erfindung unter der Marke „Fromms Act“ auf den Markt. Die Zeit war ideal: Kondome waren in staatlich kontrollierten Soldatenbordellen Pflicht, um der Ausbreitung von Syphilis entgegenzuwirken. Fromms Produkte verkauften sich hervorragend, und 1919 produzierte seine Fabrik bereits 150.000 Kondome täglich.

Die soziale und medizinisch-historische Bedeutung von Julius Fromms Erfindung kann kaum überschätzt werden. Umso tragischer war es, dass die Nationalsozialisten ihn 1938 zwangen, seine Fabrik für einen Spottpreis zu verkaufen. Nach der Machtübernahme 1936 begann eine Hetzkampagne gegen seine „jüdische Firma“. Zwei Jahre später verkaufte Fromm seine Fabrik unter Zwang an die Patin von Hermann Göring, Elisabeth Edle von Epenstein, für 200.000 Schweizer Franken. Danach emigrierte er nach England. Im Dezember 1943 und Januar 1944 wurde Fromms Gummifabrik in Friedrichshagen durch Bombenangriffe vollständig zerstört. Julius Fromm starb am 12. Mai 1945, wenige Tage nach Kriegsende.

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