Ohne sie kommt kein Haushalt aus – Thermoskannen halten heiße Getränke warm und verhindern das Aufheizen kalter Flüssigkeiten. Dieses Haushaltsutensil, das von Milliarden Menschen weltweit genutzt wird, stammt aus Berlin. Die Geschichte der Erfindung der Thermoskanne lesen Sie auf iberlin.eu.
Zerbrechliche Dewargefäße

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbesserte der Erfinder Reinhold Burger die sogenannten Dewargefäße. Diese nach ihrem englischen Erfinder James Dewar benannten Gefäße bestanden ursprünglich aus zwei ineinander gesetzten Glasbehältern. Der Luftvakuumraum zwischen den Behältern sorgte für die Wärmeisolierung der Materialien im Inneren. Doch hatten die Dewargefäße ein großes Problem: Sie waren zu zerbrechlich für den Transport. Auf diesem Prinzip basierte jedoch Burgers bahnbrechende Erfindung.
Reinhold Burger stammte aus Glashütte, einer Glasbläser-Siedlung in der Nähe von Berlin. In der Hauptstadt erlernte er das Handwerk des Glasblasens, weshalb ihm der Umgang mit dem fragilen Material im Blut lag. 1894 eröffnete er seine erste Glasfabrik in Berlin. Einige Jahre später erfuhr Burger, dass der Speiseeisproduzent Carl von Linde Luft verflüssigen konnte – ein bedeutender Fortschritt der damaligen Zeit. Da flüssige Luft eine Temperatur von -194,5 Grad Celsius hatte und sich schwierig lagern oder transportieren ließ, bat Carl von Linde Reinhold Burger, ein geeignetes Transportgefäß zu entwickeln.
Die Marke „Thermos“

Bei der Arbeit an seiner Erfindung griff Reinhold Burger auf das Dewar-Prinzip zurück. Anders als bei den zerbrechlichen Originalen nutzte er jedoch gehärtetes Glas und versah die Behälter mit einer silbernen Beschichtung sowie einem schützenden Metallgehäuse. Burger wollte die Nützlichkeit seiner Erfindung für Lindes Geschäft überprüfen, doch ihm fehlte verflüssigte Luft. Stattdessen experimentierte er mit heißen und kalten Getränken. Überraschenderweise blieben diese Flüssigkeiten selbst nach 24 Stunden nahezu unverändert in ihrer Temperatur.
Diese äußerst praktische Eigenschaft entdeckte Reinhold Burger rein zufällig.
1904 ließ er seine isolierte Flasche im Patentamt unter der Marke „Thermos“ registrieren, einem Begriff, der aus dem Griechischen stammt und „Wärme“ bedeutet. Anfangs verlief der Verkauf in Berlin und Deutschland eher schleppend. Doch nur wenige Jahre später, 1907, verkaufte Burger das Patent an Unternehmen in den USA, England und Kanada. Von dort aus trat seine Erfindung ihren weltweiten Siegeszug an.
Eine alternative Version

Es gibt jedoch eine weitere Version der Erfindungsgeschichte. Nach dieser war ein anderer Deutscher, Adolf Ferdinand Weinhold, der Erfinder des Thermosprinzips. Weinhold war ein experimentierfreudiger Wissenschaftler und Forscher. Zu seiner Zeit fehlten klare Experimente und Demonstrationsmaterialien. Weinhold, ein talentierter Glasbläser, fertigte eigenständig die notwendigen Geräte an. Für die Lagerung verflüssigter Gase entwickelte er eine Glasflasche mit doppelten Wänden, zwischen denen er die Luft abpumpte. Der Vakuumraum verhinderte den Wärmeaustausch mit der Umgebung, sodass die Flasche über Stunden hinweg niedrige Temperaturen halten konnte.
Bereits 1873 beschrieb Weinhold seine Erfindung, die zunächst aus Metall bestand und später aus Glas gefertigt wurde. Er selbst nannte sie „Gefäß mit Vakuummantel“. Allerdings gelang es ihm nicht, ein Patent zu erhalten – möglicherweise war er zu sehr Wissenschaftler, um an eine kommerzielle Nutzung zu denken. Reinhold Burger dachte jedoch genau daran.