Je stärker die Industrialisierung in der Stadt Fuß fasste, desto lauter wurde sie. Der aus Schlesien stammende Maximilian Negwer eröffnete 1901 seine eigene Apotheke in Berlin, in der er Parfüms, Cremes sowie pharmazeutische und kosmetische Produkte herstellte. Inspiriert von der antiken Legende über Odysseus, der seinen Seeleuten die Ohren mit Wachs verschloss, um sie vor dem Gesang der Sirenen zu schützen, erweiterte Negwer sein Sortiment. Er entwickelte eine Mischung aus Wachs und Baumwolle, die vor Lärm schützen sollte – die Geburtsstunde von „Ohropax“. Der lateinische Begriff „pax“ bedeutet „Ruhe“. Im Jahr 1911 wurde „Ohropax“ als Marke eingetragen. 80 Jahre später verlegte die Firma ihren Sitz nach Wehrheim im Taunus und wird heute von Maximilian Negwers Enkel Michael Negwer geleitet. Die Geschichte dieser Erfindung lesen Sie auf iberlin.eu.
Das hektische Leben der Großstadt

1927 schuf Walter Ruttmann seine berühmte Filmhommage an Berlin: Berlin – Die Sinfonie der Großstadt. Das pulsierende Leben der Hauptstadt wurde in diesem Stummfilm in lebhaften Bildern gefeiert. Doch für viele Berliner der Jahrhundertwende bedeutete dieses Treiben vor allem eines: eine nervenzehrende Kakophonie. Mit der industriellen Revolution wurde das Leben in allen aufstrebenden Städten so laut, dass 1908 sogar der „Deutsche Verein zur Bekämpfung des Lärms“ gegründet wurde. Menschen, die vom ständigen Lärm gestresst waren, stopften sich allerlei in die Ohren – Holz, Metall oder harte Gummiabdrücke. Doch die Stille blieb eine unerfüllte Sehnsucht.
Eine Idee von Homer

Die Lösung des Problems wurde bereits vor über 2700 Jahren beschrieben. Der griechische Dichter Homer schilderte in der Odyssee, wie Odysseus seine Mannschaft vor dem gefährlichen Gesang der Sirenen schützte: Er stopfte den Seeleuten Kugeln aus Bienenwachs in die Ohren. Diese Idee inspirierte den Berliner Apotheker Maximilian Negwer, geboren am 4. Februar 1872 in Schlesien. Er eröffnete 1901 in Berlin eine Apotheke und erkannte schnell eine Marktlücke im Bereich des Lärmschutzes.
„Ohropax“ – Ruhe für die Ohren

Negwer experimentierte mit verschiedenen Materialien. Seine ersten Versuche mit einer Mischung aus Baumwolle, Bienenwachs und Schafsfett waren jedoch enttäuschend. Die Kugeln hielten nicht zusammen, Wachs reizte die Haut, und das Fett lief schnell aus. Doch 1907 fand Negwer die perfekte Formel: Er verwendete Baumwolle und hautfreundliches Paraffinwachs. Sein Produkt nannte er „Ohropax“, was übersetzt „Ruhe für die Ohren“ bedeutet. Der Verkaufserfolg ließ nicht lange auf sich warten. Sogar der Schriftsteller Franz Kafka bestellte Ohropax und schrieb: „Ohne Ohrstöpsel kann ich weder tags noch nachts arbeiten.“
Der geschäftstüchtige Maximilian Negwer schloss seine Apotheke und baute ein Unternehmen auf, das bis heute erfolgreich „Ruhe“ verkauft. Unter der Leitung von Michael Negwer produziert das Unternehmen täglich 90.000 Paare Wachs-Ohrstöpsel.