Einer der bekanntesten deutschen Ärzte des 20. Jahrhunderts ist Karl Brandt. Seine Berühmtheit verdankt er vor allem seiner Tätigkeit als Arzt Adolf Hitlers. Doch dies ist keineswegs das interessanteste Kapitel im Leben von Karl Brandt. Im Laufe seines Lebens war er einer der besten Chirurgen Deutschlands und ein Wissenschaftler. Gleichzeitig zählt er zu den größten Verbrechern der Menschheitsgeschichte. Mehr über sein Leben und seine Taten erfahren Sie in unserem Artikel auf iberlin.eu.
Biografie von Karl Brandt

Karl Franz Friedrich Brandt war Reichskommissar für das Gesundheitswesen, Arzt, ausgebildeter Chirurg und ein Kriegsverbrecher. Er war verantwortlich für die Euthanasieprogramme, bei denen Menschen mit Behinderungen, psychischen Erkrankungen und anderen Einschränkungen grausam ermordet wurden. Wie kam es, dass ein gewöhnlicher Arzt auf der Anklagebank der schlimmsten Kriegsverbrecher landete? Um dies zu verstehen, werfen wir einen Blick auf seine Biografie.
Karl Brandt wurde am 8. Januar 1904 in Mülhausen als Sohn eines Offiziers geboren. Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Es ist lediglich bekannt, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten und Offizier werden wollte. Doch diese Träume zerplatzten, als er 14 Jahre alt war. Die Niederlage der deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg zerstörte sein Vertrauen in die Obrigkeit und schwächte den Einfluss des deutschen Militärs.
Zunächst studierte er in Dresden, später nahm er ein Medizinstudium an der Universität Jena auf. Er schloss zudem sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München ab. Nach seinem Abschluss zog er nach Berlin, um seine medizinische Ausbildung fortzusetzen. Bereits während des Studiums führte Karl Brandt zahlreiche erfolgreiche Wirbelsäulenoperationen durch und wurde in der Hauptstadt bekannt.
1933 trat Karl Brandt der SA bei, einer paramilitärischen Organisation der NSDAP, die politische Gegner unterdrückte. Am 17. März 1934 heiratete er die Münchener Schwimmmeisterin Anni Rehborn.
Im selben Jahr begann er seine ärztliche Tätigkeit und wurde bereits 1934 Begleitarzt Hitlers. Sein Stellvertreter war Werner Haase, ein weiterer Arzt Hitlers. 1934 wurde Karl Brandt zudem zum SS-Obersturmbannführer ernannt.
1939 wurde Karl Brandt zusammen mit dem NSDAP-Funktionär und SS-Obergruppenführer Philipp Bouhler zum Bevollmächtigten für das Euthanasieprogramm ernannt.
Aktion T4
Dieses Programm erhielt den Namen „Aktion T4“. Karl Brandt erteilte erstmals die Genehmigung zur Tötung eines behinderten Kindes und leitete damit das „Euthanasieprogramm“ ein. Ziel des Programms war die Tötung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Patienten psychiatrischer Einrichtungen sowie von Kindern mit Entwicklungsstörungen. Für die Umsetzung des Programms wurden spezielle Krankenhäuser eingerichtet, in denen Menschen durch Injektionen, Hunger oder andere Methoden getötet wurden. Insgesamt fielen dem Programm etwa 5.000 Patienten zum Opfer.
„Brandt-Aktion“

1940 trat Karl Brandt der SS bei. Drei Jahre später wurde er Generalbevollmächtigter für das Gesundheitswesen und war verantwortlich für die Koordination des zivilen und militärischen Gesundheitssystems. Er schuf sogenannte „Bettenfonds“ für verwundete Soldaten, indem er Patienten mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen töten ließ, um Platz für verletzte Soldaten zu schaffen. Dieser Prozess wurde als „Brandt-Aktion“ bekannt. Brandt verabreichte selbst überhöhte Medikamentendosen an Patienten, was zu deren Tod führte. Später wurden aus Kostengründen auch Hunger oder Gewalt als Tötungsmethoden angewandt.
Das „Rassenverbesserungsprojekt“ und Brandts Rolle
Bereits in den 1920er Jahren verfolgte Hitler die Idee, die „arische Rasse“ von Erbkrankheiten zu befreien. Karl Brandt war maßgeblich an einem Projekt beteiligt, das die Beseitigung von Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen vorsah. 1933 entwickelte er einen Gesetzentwurf, der Zwangssterilisationen und Schwangerschaftsabbrüche für Frauen mit physischen oder psychischen Einschränkungen sowie für Frauen anderer ethnischer Herkunft vorsah. Die Liste der Opfer wurde später um Frauen mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit erweitert. Die genaue Zahl der Opfer bleibt unbekannt.
Aufstieg und Fall

1944 wurde Karl Brandt Hitlers persönlicher Arzt und Reichskommissar für das Gesundheitswesen. Doch im Frühjahr 1945 erhielt er den Befehl, seine Familie aus amerikanisch kontrollierten Gebieten zu evakuieren. Brandt ignorierte diesen Befehl und ließ seine Familie in Thüringen zurück, was als Verrat angesehen wurde.
Noch vor Hitlers Tod wurde Brandt beschuldigt, geheime Informationen an die Amerikaner weitergegeben zu haben. Er wurde von Hitler zum Tode verurteilt, doch Heinrich Himmler bewahrte ihn vor der Hinrichtung. Später geriet Brandt in Flensburg in alliierte Gefangenschaft.
Der Nürnberger Prozess und das Ende von Karl Brandt
Beim Nürnberger Ärzteprozess (1946–1947) war Karl Brandt einer der Hauptangeklagten. Er verteidigte sich selbst, ohne die Hilfe eines Anwalts, da er keine Schuld an seinen Taten sah. Letztlich wurde er für seine Rolle in der „Aktion T4“ und anderen Verbrechen zum Tode verurteilt. Am 2. Juni 1948 wurde er im Gefängnis Landsberg gehängt.
Vor seiner Hinrichtung erklärte er, er sei stolz, seinem Land gedient zu haben, und bereute seine Taten nicht. Karl Brandt wird heute in der Medizin als talentierter Chirurg betrachtet, bleibt jedoch in der Geschichte als grausamer Tyrann in Erinnerung.