Im Jahr 1831 fegte eine schreckliche Cholera-Epidemie über Europa, Preußen und Berlin hinweg. Der Staat war machtlos, und die Menschen mussten zu Mitteln greifen, die man sich heute kaum vorstellen kann, um der Krankheit zu trotzen. Mehr über die Cholera-Epidemie in Berlin 1831 erfahren Sie in unserem Artikel auf iberlin.eu.

Über die Krankheit
Wie die Plattform Tagesspiegel berichtet, haben die meisten Menschen von Cholera gehört, doch nur wenige – zum Glück – sie am eigenen Leib erfahren. Cholera ist eine akute Infektionskrankheit, die durch Cholera-Bakterien ausgelöst wird. Sie verbreitet sich über fäkalienverseuchtes Wasser und führt zu schwerem Durchfall, der zu erheblichem Flüssigkeitsverlust und oft zum Tod führt. Die Ansteckung ist leicht und die Ausbreitung erfolgt rasch, selbst über internationale Grenzen hinweg. Diese Krankheit gehört zu denjenigen, die nationale und globale Notfälle auslösen können. Die Angst vor Cholera zwang führende Länder, Mitte des 19. Jahrhunderts internationale Gesundheitsvorschriften zu diskutieren. Dies geschah 1851 in Paris.

Beginn der Cholera-Epidemie in Berlin
Um die Stimmung der Berliner während der Epidemie zu veranschaulichen, sei ein Beispiel aus dem Jahr 1831 genannt: Zwei Männer standen vor einer Anschlagtafel und lasen Verhaltensregeln für die Krankheit. Einer sagte:
„Man muss aufhören, sich Sorgen zu machen.“
Der andere antwortete:
„Man muss aufhören, Cognac zu trinken.“
Darauf erwiderte der Erste:
„Genau das macht mir Sorgen.“
Doch nicht alle nahmen die Situation mit Humor. Cholera gelangte über Indien und Russland nach Preußen, Großbritannien und die USA. In Europa, insbesondere in Preußen, nahm man die Krankheit zunächst nicht ernst. Die Regierung zensierte Nachrichten über die Seuche, errichtete Grenzkontrollen und forderte Quarantäne für Reisende. Doch diese Maßnahmen konnten die Epidemie nicht stoppen. Als die Krankheit immer weiter vordrang, wurden Hygieneregeln wie regelmäßige Körperpflege und der Verzicht auf soziale Kontakte empfohlen. Dennoch breitete sich die Seuche weiter aus.

Behandlungsmethoden gegen Cholera
In Berlin starben etwa 1.500 Menschen an Cholera. Das erste Opfer war ein Schiffer in Charlottenburg. Innerhalb weniger Tage war die kleine Klinik am Ende der Dorotheenstraße überfüllt. Wissenschaftler konnten die Übertragungswege der Krankheit nicht erklären. Es gab zwei Theorien: Ansteckung durch Luft (Miasmen) oder durch direkten Kontakt. Daher kamen Desinfektionsmittel zum Einsatz.
- Räucherapparate: Wohlhabende Bürger kauften Räuchergeräte und verwendeten sie zu Hause.
- Glockenläuten: Beim Transport von Kranken oder Toten läuteten Glocken, um die Straßen zu räumen. Doch die Berliner reagierten nicht darauf und setzten auf Schnaps als Prävention.
- Öffentliches Rauchen: Die Regierung erlaubte das Rauchen auf den Straßen und im Zoo, was vorher untersagt war.
Die Maßnahmen belasteten die Wirtschaft schwer, Handel und Handwerk erlitten Einbußen, und eine soziale Krise zeichnete sich ab.

Haltung der Berliner zur Epidemie
Zu Beginn der Epidemie ignorierten die Berliner die Gefahr. Öffentliche Einrichtungen blieben geöffnet, als wäre nichts geschehen. Nur am Königshof wurden Sicherheitsmaßnahmen ergriffen: Friedrich Wilhelm III. blieb in seinem Schloss Charlottenburg und ließ nur streng kontrollierte Besucher zu. Zwei Monate später roch es in Berlin überall nach Desinfektionsmitteln, die in großen Mengen verwendet wurden. Polizeipatrouillen, Krankenhauspersonal und Leichenträger waren in schwarzen Lederuniformen mit Glocken unterwegs, um die Menschen zu warnen.

Krankenhäuser und Ärzte während der Epidemie
Die Berliner Militärkrankenhäuser galten als „Sterbestationen“, da dort kaum Heilung stattfand. In Ostpreußen wurden Menschen gewaltsam in Krankenhäuser gebracht, doch einige flohen, um zu Hause zu sterben. Die Bevölkerung misstraute den Ärzten, die oft für die Ausbreitung der Krankheit verantwortlich gemacht wurden. Es kursierten Gerüchte, dass Ärzte Brunnen vergiftet hätten oder Patienten nur töten wollten, um Autopsiematerial zu erhalten.
Robert Koch als Retter der Menschheit
Fünfzig Jahre später bewies Robert Koch, dass Cholera durch verunreinigtes Wasser übertragen wird und durch sauberes Wasser verhindert werden kann. Damit widerlegte er die Miasmentheorie und wurde als Retter der Menschheit gefeiert.