In der Welt gibt es viele Menschen, die sich für Mathematik begeistern und in diesem Bereich bedeutende Erfolge erzielt haben. Einer von ihnen ist der berühmte Berliner Mathematiker Karl Theodor Wilhelm Weierstraß. Haben Sie schon von ihm gehört? Wenn nicht, lesen Sie weiter. Mehr über diesen herausragenden Wissenschaftler erfahren Sie auf berlin.eu.

Kindheit und erste Tätigkeit
Karl Weierstraß wurde in Ostenfelde geboren, einer Ortschaft in der Region Nordrhein-Westfalen, die im Westen Deutschlands liegt. Der spätere Mathematiker kam am 31. Oktober 1815 zur Welt. Historisch gesehen war dies das Jahr der Niederlage von Napoleons Armee bei Waterloo, an der auch Preußen beteiligt war. In diesem Kontext wuchs Karl auf.
Sein Vater war Stadtschreiber und später Steuerinspektor, was ihn zwang, mit seiner Familie durch Preußen zu reisen. Seine Mutter kümmerte sich um den Haushalt und um Karl. 1827 verstarb die Mutter, und sein Vater erhielt eine feste Anstellung in Paderborn, wodurch Karl die Möglichkeit bekam, an einem Ort beständig zur Schule zu gehen. Diese Schule war das Akademische Gymnasium, heute bekannt als Theodorianum. Um das Familienbudget zu unterstützen, arbeitete Karl in der Buchhaltung der Schule. Die Arbeit hinderte ihn nicht daran, erfolgreich zu lernen und in seiner Freizeit die führende deutsche mathematische Fachzeitschrift Crelle’s Journal zu lesen.
Studium der Finanzwissenschaften und Mathematik
Wie viele junge Männer seiner Zeit strebte Karl nach dem Abschluss des Gymnasiums eine Laufbahn im Staatsdienst an. Sein Vater hatte großen Einfluss auf diese Entscheidung und wünschte sich, dass sein Sohn in seine Fußstapfen tritt. Von 1834 bis 1838 studierte Karl Finanzwesen und Recht an der Universität Bonn. Gleichzeitig vertiefte er sich in die Werke führender Mathematiker aus Deutschland, Frankreich und England, um sein Wissen in diesem Bereich zu erweitern.
Je mehr er sich mit Mathematik beschäftigte, desto größer wurde sein Wunsch, das ungeliebte Studium in Bonn aufzugeben und sich ganz seiner Leidenschaft zu widmen. 1838 verließ er die Universität ohne Abschluss und zog, mit der Erlaubnis seines zunächst verärgerten Vaters, nach Münster, um Mathematik und Physik zu studieren. Innerhalb von zwei Jahren erwarb er tiefgreifendes Wissen über elliptische Funktionen von Christoph Gudermann, der ihn zu seinem Lieblingsschüler machte. Nach bestandenen Prüfungen in Westrenkotten, nahe Lippstadt, begann er, an Schulen in Münster zu unterrichten. Dort entwickelte er seine Theorie komplexer Funktionen, die ihn später berühmt machen sollte. Zu dieser Zeit wurden seine Ideen jedoch nicht veröffentlicht und blieben der Öffentlichkeit unbekannt.
Lehrtätigkeit und Forschung
1843 arbeitete Weierstraß in Westpreußen, ab 1848 am Lyzeum Hosianum in Braunsberg. Die Lehrtätigkeit verlangte von ihm nicht nur Mathematik zu unterrichten, sondern auch Physik, Botanik und sogar Gymnastik. Um letzteres unterrichten zu dürfen, musste er eigens nach Berlin reisen und eine Ausbildung als Turnlehrer absolvieren.
Neben dem Unterricht widmete sich Weierstraß der Entwicklung seiner mathematischen Theorien, insbesondere der Theorie der abelschen Funktionen, einer Erweiterung der elliptischen Funktionen. Er veröffentlichte seine Ergebnisse in einer Schulzeitschrift, blieb jedoch von der mathematischen Fachwelt isoliert. Dennoch fanden seine Forschungen Beachtung, und 1856 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Albertus-Universität Königsberg. Daraufhin wurde er nach Berlin eingeladen.
In Berlin arbeitete Weierstraß zunächst am Königlichen Gewerbeinstitut und später an der Friedrich-Wilhelms-Universität. Dort formte sich eine bedeutende wissenschaftliche Schule um ihn. Seine Vorlesungen, sowohl gedruckt als auch handschriftlich, wurden mehr geschätzt als seine veröffentlichten Werke. Streitigkeiten mit seinem Kollegen Leopold Kronecker über die Theorie der Mengen trübten jedoch die Atmosphäre in der Universität.

Persönliches Leben
Karl Weierstraß blieb unverheiratet und widmete sein Leben vollständig der Mathematik. Er war jedoch eng mit seiner Schülerin Sofia Kowalewskaja verbunden, die er privat vier Jahre lang unterrichtete. Er unterstützte sie bei der Auswahl ihres Dissertationsthemas, half ihr beim Abschluss ihrer Promotion 1874 und bei der Jobsuche 1884. Die Zusammenarbeit und Korrespondenz mit der russischen Mathematikerin prägten ihn tief. Nach ihrem Tod 1891 verbrannte Weierstraß alle ihre Briefe und trauerte schwer.
Seine Hingabe zur Wissenschaft forderte gesundheitlichen Tribut. Bereits 1848 traten erste gesundheitliche Probleme auf, die sich 1861 verschärften. 1885 feierte er seinen 70. Geburtstag, konnte aber wegen seines schlechten Gesundheitszustandes die Feierlichkeiten nur im Rollstuhl von zu Hause aus verfolgen. Er verstarb 1897 an einer Lungenentzündung. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem St.-Hedwigs-Friedhof in Berlin, dessen Grab später aufgrund des Mauerbaus verlegt wurde.

Leistungen
Weierstraß erhielt zahlreiche Auszeichnungen und war Mitglied mehrerer Akademien und wissenschaftlicher Gesellschaften. Seine Errungenschaften umfassen die logische Begründung der Analysis und die Entwicklung der Funktionstheorie. Er arbeitete an der Bolzano-Weierstraß-Theorie, die die Existenz von Häufungspunkten in Zahlenfolgen beweist. Weitere bedeutende Theoreme tragen seinen Namen, darunter die Weierstraßsche Produktsatzformel, der Satz von Lindemann-Weierstraß und die Weierstraß-Kasorati-Theorie.

Erinnerung an Karl Weierstraß
Zu Ehren seiner Leistungen wurde in Ostenfelde eine Straße nach ihm benannt, und eine Gedenktafel ziert sein Geburtshaus. Sein Name wurde auch einem Mondkrater und einem Asteroiden verliehen. In Berlin trägt das Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik seinen Namen. Ebenso wurde ein Hörsaal der Humboldt-Universität nach ihm benannt.