Die Menschheit hat Infektionskrankheiten stets mit besonderer Vorsicht betrachtet, da sie jeden treffen konnten. Im Laufe der Geschichte haben zahlreiche Krankheiten Millionen Menschenleben gefordert. Zu den tödlichsten gehörten die Pest und die Pocken. Erfahren Sie mehr darüber, wie die deutsche Hauptstadt versuchte, diese Krankheiten zu bekämpfen, in unserem Artikel auf berlin.eu.
Der „Schwarze Tod“
Die Pest ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die sich durch hohes Fieber, schwere Vergiftungserscheinungen, hämorrhagische Syndrome, serös-hämorrhagische Lungenschäden und die Bildung von Beulen in den Lymphknoten äußert. Bereits im 6. bis 8. Jahrhundert forderte die „Justinianische Pest“ Millionen Menschenleben. In den 1330er-Jahren wurde ein Ausbruch in China und der Mongolei registriert, bevor genuesische Schiffe die Krankheit 1347 von der Krim nach Europa brachten. Ein Wendepunkt in der Geschichte des mittelalterlichen Europas war die zweite Pandemie von 1347 bis 1353, bekannt als „Schwarzer Tod“. Etwa ein Drittel der europäischen Bevölkerung – 25 Millionen Menschen – fiel der Krankheit zum Opfer. Aus italienischen Hafenstädten erreichte die Pest 1349 auch Deutschland.

Aufgrund mangelnden Wissens und der Angst vor dem Tod machten sich die Menschen gegenseitig für die Ausbreitung der Krankheit verantwortlich. Häufig wurden Juden beschuldigt, Brunnen vergiftet zu haben, was zu Pogromen führte. Auch Behinderte, Bettler und Reisende wurden zu Sündenböcken. Um die Situation unter Kontrolle zu bringen, verhängten die Behörden Quarantänen: Erkrankte wurden für 40 Tage isoliert, eine Zahl, die mit mittelalterlichen Vorstellungen von Sühne zusammenhängt.
Eine soziale Katastrophe
Zwischen 1353 und 1894 wurden immer wieder vereinzelte Ausbrüche registriert. 1576 brachte eine Frau angeblich die Pest nach Berlin, indem sie in einer Nachbarstadt einen Mantel von einem Leichnam nahm. Die Beulenpest forderte fast die Hälfte der Berliner Bevölkerung. Menschen starben innerhalb von zwei bis drei Tagen unter unerträglichen Qualen, was die Zeitgenossen als Strafe Gottes deuteten. Der Bevölkerungsrückgang führte zu einem Mangel an Arbeitskräften. Felder blieben unbestellt, Vieh verendete, und es kam zu einer Hungersnot – eine umfassende soziale Katastrophe.

1710 öffnete in Berlin die Charité ihre Tore, in Erwartung eines Pestausbruchs, der Ostpreußen bereits verwüstet hatte. Nachdem die Pest die Stadt verschonte, wurde die Einrichtung für die Behandlung der Armen genutzt. Der Name „Charité“ leitet sich vom französischen Wort für Nächstenliebe ab.
Die dritte Pandemie der Pest dauerte von 1894 bis 1921 und forderte weltweit etwa 20 Millionen Menschenleben, davon allein 10 Millionen in China und 12 Millionen in Indien. Der Ukrainer Waldemar Haffkine entwickelte die erste Impfung gegen Pest und Cholera. Wissenschaftler der Universitäten Oslo und Ferrara stellten fest, dass die Pest durch menschliche Flöhe und Läuse begann, aber auch von Ratten und über die Luft verbreitet wurde.
Schreckliche Pocken
Die Pocken forderten zwischen dem 6. und 20. Jahrhundert mindestens eine Milliarde Menschenleben. Erste Erwähnungen finden sich in Dokumenten des 4. Jahrhunderts – damals war China das erste betroffene Land. Über Jahrhunderte hinweg galt die Pockenkrankheit als eine der schlimmsten Seuchen, die bis zu 40 % ihrer Opfer tötete, meist Kinder. Überlebende entwickelten zwar Immunität, litten jedoch oft an bleibenden Behinderungen, Narben und teilweise Erblindung. Allein im 20. Jahrhundert starben bis zu 300 Millionen Menschen an den Pocken – mehr als in allen Kriegen zusammen.

Die Krankheit begann mit hohem Fieber, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen, bevor sich Ausschläge auf der Haut zeigten. Der Erreger ist ein komplexes DNA-Virus, das sich in der Zytoplasma der Zellen vermehrt. Wahrscheinlich wurde es vom Kamel auf den Menschen übertragen. Die Krankheit wurde durch Tröpfcheninfektion, Kleidung und Gegenstände der Erkrankten verbreitet.
Im 16. Jahrhundert erreichten die Pocken Europa und wurden so verbreitet, dass Ärzte im 18. Jahrhundert glaubten, jeder müsse sie einmal im Leben durchmachen. Jährlich starben in Europa 400.000 Menschen, ein Drittel der Überlebenden erblindete. In Berlin schwankten die Todeszahlen zwischen vier und über 1.000 Toten pro Jahr.
Die rettende Impfung
Im Gegensatz zur Pest war die Pockenpandemie konstant: Es gab immer wieder Ausbrüche. Lange Zeit versuchte man, die Krankheit mit Zaubersprüchen, Gebeten und Amuletten zu bekämpfen. Erst 1796 bewies der englische Arzt Edward Jenner experimentell, dass eine Impfung mit Kuhpocken Immunität gegen die echten Pocken verleiht. Er impfte erstmals einen achtjährigen Jungen. Es dauerte über ein Jahrhundert, bis die Impfung in Europa weit verbreitet war. In Deutschland war die Impfpraxis besonders ausgeprägt, mit besonderem Fokus auf Nachimpfungen.

Bayern führte als erstes deutsches Land – und als zweites weltweit nach Island – die Impfpflicht für Neugeborene ein. Mitte des 19. Jahrhunderts verzeichnete Bayern die geringste Pockensterblichkeit in Europa. Vor der Einführung der Impfung waren Säuglinge und Kinder besonders gefährdet. Trotz der Impfungen stellte die steigende Pockensterblichkeit bei jungen Erwachsenen eine neue Herausforderung dar, was die Notwendigkeit regelmäßiger Nachimpfungen offenbarte.
In Berlin, der damaligen Hauptstadt Preußens, war die Impfung bis Ende des 19. Jahrhunderts wenig verbreitet, weshalb hier fast viermal so viele Todesfälle verzeichnet wurden wie in Kopenhagen. Dies änderte sich am 8. April 1874, als Deutschland ein Impfgesetz verabschiedete, das Impfungen für alle Kinder unter zwei Jahren und alle ungeimpften Kinder unter zwölf Jahren vorschrieb. Daraufhin sank die Pockensterblichkeit deutlich.
Die Pandemie von 1870–1875 forderte während des Deutsch-Französischen Krieges 500.000 Menschenleben. Obwohl in der preußischen Armee die Impfpflicht bestand, waren viele französische Soldaten nicht geimpft, was zu Ausbrüchen in der Zivilbevölkerung führte. 1967 begann die Weltgesundheitsorganisation ein globales Impfprogramm gegen die Pocken, und 1980 wurde die Krankheit offiziell für ausgerottet erklärt.