Am 14. August 1972 ereignete sich auf deutschem Boden das schlimmste Flugzeugunglück der Geschichte. Eine sowjetische Iljuschin Il-62 der DDR-Fluggesellschaft „Interflug“ stürzte südlich von Berlin mit 156 Passagieren an Bord ab. Das Flugzeug zerbrach buchstäblich in der Luft. Die Ursache des Unglücks hielt die DDR-Regierung lange Zeit geheim. Mehr über diese Tragödie erfahren Sie auf iberlin.eu.
Feuer im Heck des Flugzeugs

Dieses Flugzeugunglück gilt als das schlimmste, das je auf deutschem Boden geschah. 148 Passagiere – die meisten aus Cottbus, Dresden oder Berlin – und acht Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben. Bis heute kursieren verschiedene Gerüchte über die Ursache des Absturzes, da die DDR-Regierung die Ergebnisse der Untersuchung aus politischen Gründen geheim hielt.
Wenige Tage später fand in der DDR eine staatliche Trauerzeremonie statt, bei der 60 nicht identifizierte Opfer in einem Gemeinschaftsgrab beigesetzt wurden. Die Angehörigen erfuhren jedoch nie, warum die Iljuschin damals in der Luft zerbrach – obwohl Experten die Ursache ermittelten.
An jenem Montag startete das Flugzeug um 16:29 Uhr in Schönefeld. Es erreichte nur Cottbus, bevor die Crew Probleme im Heck bemerkte und zurückkehrte. Die Il-62 ließ Treibstoff ab, um das Flugzeug leichter zu machen. Doch das reichte nicht. Das Heck brach ab, und die Maschine stürzte ab.
Verkohlte Körper in den Bäumen

Die Piloten sendeten das Notsignal „Mayday“, doch die Menschen an Bord hatten keine Chance. Um 17:00 Uhr stürzte die Maschine auf das Gelände der Wasserwerksstation Königs Wusterhausen. Feuerwehr und Rettungskräfte fanden ein brennendes Wrack, verstreute Gepäckstücke und Körperteile. Viele Opfer waren völlig verkohlt, deformierte Leichen lagen auf Wiesen oder hingen in den Bäumen.
Augenzeugen berichteten, dass einige der ersten Helfer begannen, Gegenstände aus den verstreuten Koffern zu stehlen. Diese Taten wurden jedoch schnell unterbunden, und die Verantwortlichen wurden zur Rechenschaft gezogen. Der Zugang zum Unglücksort wurde rasch gesperrt. In den folgenden Tagen und Nächten wurde die kontaminierte Erde von Lastwagen abtransportiert, da sich in der Nähe Trinkwasserquellen für die Stadt befanden.
Jörn Leweß-Litzmann, ein Ingenieur von „Interflug“, war ebenfalls schnell vor Ort – allerdings in offizieller Funktion. Er war einer derjenigen, die Anfang der 1970er-Jahre die Il-62 für den Einsatz in der DDR empfahlen. Später wurde er Mitglied der 63-köpfigen Untersuchungskommission. Nach seinen Angaben war von Anfang an klar, dass ein Feuer im Heck die Ursache für die Katastrophe war. Doch warum war es ausgebrochen?
Ursachen der Tragödie

Nach wochenlangen Untersuchungen kam die DDR-Kommission zu dem Schluss, dass eine undichte Heißluftleitung im hinteren Teil des Flugzeugs die Isolierung eines Kabelbündels verbrannte. Die Temperaturen erreichten dort bis zu 300 Grad Celsius. Dies führte zu einem Kurzschluss, Funkenflug und schließlich zur Entzündung des Magnesiums, das beim Bau des Flugzeugs verwendet wurde. Ein Feuer brach aus, das letztlich das Heck des Flugzeugs abtrennte.
Innerhalb von drei Monaten waren „alle Fragen geklärt“, und die Ursache des Absturzes wurde festgestellt. Doch die sowjetischen Konstrukteure der Iljuschin bestätigten die Ergebnisse ihrer DDR-Kollegen nicht, da diese auf Konstruktionsfehler hinwiesen. Der Vorsitzende der Untersuchungskommission, Paul Wilpert, empfahl der Regierung, den Streit mit den sowjetischen Genossen zu vermeiden und die Gründe für das Unglück nicht weiter öffentlich zu diskutieren. Diese Empfehlung wurde Ende 1973 persönlich von Erich Honecker, dem Staats- und Parteichef der DDR, gebilligt.
Die Ergebnisse wurden jedoch intern berücksichtigt. Die Konstrukteure der Iljuschin akzeptierten die Änderungen an der Flugzeugkonstruktion, die ihre DDR-Kollegen empfahlen. „Interflug“ überwachte von da an die Heißluftsysteme sowjetischer Flugzeuge besonders genau. Die vollständige Wahrheit über die Ursachen dieses verheerenden Unglücks wurde jedoch erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands bekannt.