Kein anderer Sport ist so stark mit dem Image seiner Akteure verbunden wie das Boxen. Gustav „Bubi“ Scholz wurde am 12. April 1930 in Berlin geboren, in einem Mehrfamilienhaus in einem proletarischen Viertel. Ab 1951 sammelte „Bubi“ Scholz Titel als Deutscher und Europameister in Gewichtsklassen von Welter- bis Halbschwergewicht. Nach einer Karriere, die immer wieder von Skandalen begleitet war, starb Scholz im Alter von 70 Jahren. Mehr über das Idol der Berliner erfahren Sie auf iberlin.eu.
Der Berliner Junge

Wenn Berliner Schriftsteller über zwanzig Jahre regelmäßig Boxstudios besuchten und der Galerist Alfred Flechtheim in Berlin die Zeitschrift „Der Crosssection“ mit dem Untertitel „Journal für Kunst, Literatur und Boxen“ gründete, zeigt das, dass Boxen weit mehr war als bloße Prügelei.
Gustav Scholz wurde am 12. April 1930 in Berlin geboren. Sein Leben gleicht einer klassischen Aufsteiger-Geschichte – mit allen Höhen und Tiefen. Egal ob auf dem Höhepunkt seiner Karriere oder während Rückschlägen: Das Publikum hielt stets zu ihm. Die Berliner liebten „Bubi“ besonders, weil er einer von ihnen war.
„Bubi“ Scholz, Sohn eines Schmieds aus Prenzlauer Berg, entschied sich mit 18 Jahren gegen eine Mechanikerlaufbahn und begann, als Profiboxer zu arbeiten. Sein Manager Fritz Gretzschel erkannte früh sein Talent. Es war Fritz Gretzschel, der den jungen, ehrgeizigen Scholz ins Rampenlicht des Boxsports brachte.
Eine schwere Krankheit

Ab 1951 errang „Bubi“ Scholz Titel als Deutscher und Europameister in Gewichtsklassen von Welter- bis Halbschwergewicht. 1955 erkrankte er an Tuberkulose. Viele hielten dies für das Ende seiner Karriere – nicht jedoch „Bubi“ Scholz. 1957 kehrte er in den Ring zurück, besiegte Peter Müller, wurde Deutscher Meister im Mittelgewicht und Europameister gegen Charles Humez. 1962 bestritt „Bubi“ Scholz den ersten WM-Kampf auf deutschem Boden, den er jedoch gegen Harold Johnson verlor.
Doch spielte das eine Rolle für jemanden, der 88 seiner 96 Kämpfe gewonnen hatte? Der 1965 als bestbezahlter deutscher Boxer seine Karriere beendete? Scholz lebte in einer Villa in Grunewald, genoss mit seiner Frau Helga das Berliner Gesellschaftsleben und verlor nach dem Karriereende dennoch den Halt. Er spielte die Rolle des Lebemanns, ähnlich seinem Freund Harald Juhnke. Doch das endete tragisch.
Ein tragisches Ende

1984 erschoss Scholz im betrunkenen Zustand seine Frau durch die Toilettentür mit einer Waffe, die er nicht hätte besitzen dürfen. Seine Behauptung, der Schuss sei unbeabsichtigt gefallen, beschädigte sein Image. Vielleicht wollte Scholz die Wahrheit nicht anerkennen und versuchte, das Geschehene zu verdrängen. Nach seiner Haftentlassung stürzte er ab: Alkohol, das Scheitern seiner zweiten Ehe und frühe Demenz prägten seine letzten Jahre. Mit 70 lebte er in einem Pflegeheim und starb im Jahr 2000, als er sich an einem Brötchen verschluckte.
Seit der WM-Begegnung zwischen Henry Maske und Graciano Rocchigiani 1995 erlebt das Boxen eine Renaissance. Filme wie Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“, der mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, zeigen, dass Boxen auch für Frauen ein Forum ist. Kurz vor diesen Entwicklungen verabschiedete sich Deutschland von Max Schmeling, einem Boxer, der für Tugend und Anstand stand. Sein Leben ohne Skandale zeigte, dass auch Boxer ein würdevolles Leben führen können. Gustav „Bubi“ Scholz beantwortete diese Frage auf seine eigene Weise.