Die moderne Stadtlandschaft Berlins ist ohne die elektrische Straßenbahn kaum vorstellbar. Ihre Geschichte ist untrennbar mit der deutschen Hauptstadt verbunden, denn 1881 wurde hier die erste kommerziell erfolgreiche elektrische Straßenbahnlinie in Betrieb genommen. Ob Touristen zu historischen Sehenswürdigkeiten fahren, Nachtschwärmer in Clubs unterwegs sind oder Einheimische nach Hause möchten – die Straßenbahn bringt ihre Fahrgäste zu jeder Tages- und Nachtzeit sicher ans Ziel. Mehr über die Entwicklung dieses technologischen Wunders erfahren Sie auf berlin.eu.
Die Anfänge der Straßenbahn
Die ersten Straßenbahnen wurden von Pferden gezogen oder betrieben mit teuren und ineffizienten Batterien. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Wales (Großbritannien) ein kurzer Abschnitt einer bestehenden Eisenbahnstrecke für Straßenbahnen umfunktioniert – dies war die erste Straßenbahnlinie der Welt. Der damalige Wagen bestand aus einer einfachen offenen Plattform auf Rädern, ohne Wände oder Sitzplätze, die von zwei Pferden gezogen wurde.
Dieses Konzept verbreitete sich rasch in anderen Städten, die ihre alten Eisenbahnnetze für den Personentransport umbauten. Nach Großbritannien folgten die USA, Frankreich, Chile, Ägypten, Australien und Indonesien mit ihren eigenen Straßenbahnsystemen.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden in vielen Städten kleine Dampflokomotiven eingesetzt. Allerdings hatten diese den Nachteil, dass sie viel Rauch produzierten, laut waren und nicht genügend Kraft hatten, um mehrere Wagen zu ziehen. 1873 wurden in San Francisco die ersten Kabelstraßenbahnen eingeführt. Diese konnten selbst auf steilen Straßen problemlos fahren, waren aber technisch aufwendig und wartungsintensiv.

Der technologische Durchbruch
Der erste vollelektrische Straßenbahnwagen wurde 1880 von dem ukrainischen Ingenieur Fedir Pirozky in St. Petersburg entwickelt. Sein Konzept basierte auf der Stromversorgung durch Oberleitungen und Stromabnehmer. Jedoch wurde die erste Straßenbahn nach diesem Prinzip dort erst 1895 in Betrieb genommen.
Bereits 1879 präsentierte die Firma Siemens & Halske auf einer Berliner Messe eine kleine elektrische Lokomotive mit offenen Plattformen für Fahrgäste. Doch damals galt dies noch als reine Attraktion. Ein Jahr später entwickelte der Berliner Ingenieur Friedrich von Hefner-Alteneck einen wichtigen Bestandteil des elektrischen Straßenbahnmotors – die Trommelarmatur.
1881 wurde schließlich in Lichterfelde (heute ein Teil von Berlin) die erste elektrische Straßenbahnlinie der Welt eröffnet. Die Einführung dieses neuen Verkehrsmittels brachte nicht nur eine schnellere Beförderung, sondern hatte auch einen positiven Effekt auf die Sauberkeit der Stadt – die Straßen wurden endlich von Pferdekot befreit.
Die erste Straßenbahnlinie hatte eine Länge von 2,5 Kilometern. Der Wagen bot 12 Sitzplätze und 8 Stehplätze. Die Stromversorgung erfolgte über zwei Schienen, was jedoch problematisch für andere Fahrzeuge mit beschlagenen Pferden war, da diese durch Kontakt mit der stromführenden Schiene einen elektrischen Schlag hätten erleiden können.
Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden Bahnübergänge auf der Strecke ohne Stromversorgung gestaltet, sodass die Wagen dort von Hand geschoben werden mussten. Später wurden Experimente mit Luftstromkabeln in Röhren durchgeführt, aber auch dieses System erwies sich als ungeeignet.
Ein echter Fortschritt gelang erst 1887, als der deutsche Ingenieur Walter Reichel den Lyrabügel-Pantografen erfand – eine Konstruktion auf dem Fahrzeugdach, die über eine Oberleitung konstanten Strom kontaktfrei übertrug.
Die flächendeckende Elektrifizierung
Bereits 1895 besaß die Firma Siemens & Halske in Berlin ein eigenes elektrisches Straßenbahnnetz, das in Konkurrenz zur Großen Berliner Pferde-Eisenbahn AG stand. Schließlich einigte man sich mit der Stadtverwaltung auf die Elektrifizierung aller Pferdestraßenbahnen, was 1902 abgeschlossen wurde. Damit fuhr die letzte Pferdestraßenbahn Berlins, und die Gesellschaft wurde in „Große Berliner Straßenbahn Gesellschaft“ umbenannt.
Während der NS-Zeit begann man erstmals, Schienen in der Berliner Innenstadt abzubauen, und die typischen gelb-weißen Straßenbahnen wurden durch beige Farbtöne ersetzt. Doch die steigende Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsmitteln während der Olympischen Spiele 1936 führte dazu, dass zuvor stillgelegte Straßenbahnen modernisiert und reaktiviert wurden.
Straßenbahnen im Zweiten Weltkrieg und Wiederaufbau
Der Beginn des Zweiten Weltkriegs stoppte jegliche große Modernisierungen im Berliner Straßenbahnnetz. Nach den schweren Zerstörungen durch Luftangriffe und Straßenkämpfe wurde das Netz innerhalb kürzester Zeit wieder aufgebaut. Die längsten Betriebsunterbrechungen entstanden durch die Zerstörung zahlreicher Brücken.
Nach dem Krieg wurden die amerikanischen Scheren-Pantografen durch neue Modelle ersetzt, die einen höheren Anpressdruck hatten als die bisherigen Berliner Lyrabügel-Stromabnehmer.

Globale Expansion der elektrischen Straßenbahn
Nach dem Erfolg in Berlin verbreitete sich die elektrische Straßenbahn rasch in anderen Städten weltweit. Doch während sie in vielen Städten boomte, suchten Ingenieure nach alternativen Antriebsquellen. In der Zeit von 1886 bis 1908 experimentierte man beispielsweise mit Gas-Straßenbahnen. Andere Ansätze setzten auf Benzin, Druckluft, Dieselmotoren und sogar Brennstoffzellen.
Von den 1890er Jahren bis in die 1920er Jahre ersetzten elektrische Straßenbahnen fast vollständig die Pferdebahnen in Europa und den USA und verbreiteten sich auch in Asien, Afrika und Südamerika.
In den USA erfolgte die Umstellung besonders rasant – zwischen 1902 und 1917 verdrängten elektrische Straßenbahnen die alten Pferdewagen nahezu vollständig. Gleichzeitig wurden die Fahrzeuge weiter verbessert:
- Vierachsige Wagen ersetzten die alten zweiachsigen Modelle, da sie mehr Passagiere transportieren konnten.
- Stahlkonstruktionen lösten die bisherigen hölzernen Wagen ab, was die Sicherheit und Haltbarkeit erhöhte.

Der Besitz einer Straßenbahnlinie wurde zum Standard in jeder modernen Stadt. Bis heute bleibt die elektrische Straßenbahn eines der effizientesten und umweltfreundlichsten Transportmittel weltweit.