9 Februar 2026

Erfindungen, die die Geschichte veränderten: 5 Innovationen aus Berlin

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Dynamik und Wandel prägen Berlin seit seiner Gründung. Viele verbinden die deutsche Hauptstadt mit Kultur, Musik und einem pulsierenden Nachtleben. Weniger bekannt ist jedoch, dass Berlin die Heimat zahlreicher talentierter Techniker, Ingenieure und Erfinder ist. Hier führte Otto Lilienthal seine ersten erfolgreichen Gleitflüge durch. Und hier konstruierte Konrad Zuse den ersten Relais-Computer der Welt. Mehr über einige der in Berlin geborenen Erfindungen erfahren Sie auf berlin.eu.

Der Vorläufer des modernen Drachenfliegers

Einer der Pioniere der Luftfahrt, Otto Lilienthal, war der erste Mensch, dem ein erfolgreicher Flug mit einem gesteuerten Gleiter gelang. Schon als Kind träumte der Sohn eines Kaufmanns vom Fliegen. Um seiner Leidenschaft nachzugehen, studierte er in Berlin Ingenieurwissenschaften. Gemeinsam mit seinem Bruder Gustav betrieb er eine Heizungsfabrik und forschte gleichzeitig an seinen Fluggeräten. 1891 konstruierte Lilienthal einen Gleiter – nicht den ersten der Welt, denn George Cayley aus England hatte bereits 1853 ein Patent darauf angemeldet.

Doch Lilienthal ging in die Geschichte ein, weil er als erster einen steuerbaren Gleiter baute, der den heutigen Drachenfliegern ähnelt. Er bewies, dass Gleitflüge mit der richtigen aerodynamischen Technik möglich sind. Anders als viele frühere Flugpioniere versuchte er nicht einfach abzuheben, sondern analysierte die Windverhältnisse und experimentierte systematisch. 1889 veröffentlichte er ein Buch, in dem er das Gleiten der Vögel wissenschaftlich erklärte. Diese Schrift wurde zum bedeutendsten Werk der Luftfahrt des 19. Jahrhunderts und legte den Grundstein für die moderne Flügelkonstruktion von Flugzeugen.

Insgesamt baute Lilienthal 21 Flugapparate und konzentrierte sich darauf, bestehende Modelle zu verbessern, statt teure neue Gleiter zu entwickeln. Doch seine Experimente forderten ihren Tribut: 1896 verunglückte er tödlich bei einem missglückten Flug.

Die Erfindung der Thermoskanne

Die Thermoskanne verdanken wir zwei bedeutenden Wissenschaftlern: James Dewar und Reinhold Burger. Der Schotte Dewar erfand 1892 die Vakuumflasche, die aus einer doppelwandigen Konstruktion mit Vakuumisolierung bestand. Diese Erfindung diente in erster Linie dazu, Gase länger in flüssigem Zustand zu halten. Doch ein Problem blieb: Die Flasche war nicht alltagstauglich.

Hier kam der Berliner Reinhold Burger ins Spiel. Er erkannte, dass das Vakuum zwischen den Wänden den Wärmeaustausch verhindert und somit die Temperatur der Flüssigkeit im Inneren konstant bleibt. 1904 patentierte er die Thermoskanne, die speziell für den Haushaltsgebrauch konzipiert wurde. Um seiner Erfindung einen einprägsamen Namen zu geben, veranstaltete er einen Namenswettbewerb. Das Siegerwort „Thermos“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „heiss“.

Burgers kompakte Thermoskanne wurde schnell populär, besonders bei Reisenden und Sportlern. So wurde Dewars wissenschaftliche Erfindung dank Burger zu einem unverzichtbaren Alltagsgegenstand.

Ohropax – Gehörschutz aus Berlin

1907 erhielt der Berliner Apotheker Maximilian Negwer das Patent für seine in Berlin entwickelte Gehörschutzmarke Ohropax. Die Ohropax-Ohrstöpsel bestanden aus Wachs, Vaseline und Watte und boten erstmals einen effektiven Lärmschutz.

Die Inspiration für seine Erfindung fand Negwer in der griechischen Mythologie: In Homers Odyssee schützte Odysseus seine Gefährten vor dem verführerischen Gesang der Sirenen, indem er ihnen die Ohren mit Wachs verschloss.

Ohropax war eine bahnbrechende Erfindung für die Berliner, die unter dem Lärm von Fabriken, motorisierten Fahrzeugen und Glockengeläut litten. Vor der Markteinführung von Ohropax versuchten die Menschen erfolglos, den Lärm mit Kopfbändern, Gummikugeln oder Filzpfropfen zu dämpfen. Der Gehörschutz wurde zunächst von deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg genutzt, bevor er weltweit bekannt wurde.

Die Postkarte

Der Berliner Postbeamte Heinrich von Stephan erkannte Mitte des 19. Jahrhunderts den Bedarf nach einer einfacheren Alternative zum klassischen Brief. 1865, auf der 5. Konferenz des Deutschen Postvereins, stellte er die Idee einer Postkarte vor. Diese bestand zunächst aus einem schlichten Stück Karton mit einem Aufdruck und war eine preiswerte und zeitsparende Alternative zum Brief.

Da die Postbehörden die Idee zunächst ablehnten, musste Stephan auf eine höhere Position innerhalb der Behörde warten, um seine Vision umzusetzen. 1870, als Direktor der Postdienste des Norddeutschen Bundes, konnte er endlich die erste Postkarte einführen. Die Berliner Bevölkerung war sofort begeistert: Bereits vor der offiziellen Markteinführung waren 45.000 Karten verkauft.

Besonders während des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) erwies sich die Postkarte als unschätzbares Kommunikationsmittel. Soldaten verschickten damit kurze Nachrichten an ihre Familien und Kameraden.

Der elektrische Haartrockner

Früher war das Trocknen der Haare eine mühsame Angelegenheit. Es gab Porzellanbürsten mit heißem Wasser oder sperrige Trockenhauben, die nicht wirklich praktisch waren. 1900 entwickelte das Berliner Unternehmen AEG den ersten elektrischen Haartrockner. Der sogenannte „Heißluftdusche“ wog noch zwei Kilogramm und wurde nicht nur zum Trocknen der Haare, sondern auch als medizinisches Gerät gegen Rheuma, Muskelverspannungen und Furunkel beworben.

Doch der heiße Luftstrom von 90°C konnte leicht zu Verbrennungen führen. Erst in den 1930er Jahren wurden kompaktere und sicherere Haartrockner entwickelt, die bald darauf von Berliner Frauen genutzt wurden. In den 1950er Jahren wurde der Fön zu einem Massenprodukt, und in den darauffolgenden Jahrzehnten wurde er weiter verkleinert und verbessert. Die heute bekannte Pistolenform des Föhns entwickelte der Ingenieur Jean Mantelet.

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