9 Februar 2026

Wie das Olympiapark-Stadion in Berlin gebaut wurde

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Jedes Land hat seine bevorzugten Sportarten, aber jede große Disziplin wird irgendwo mit besonderer Hingabe gefeiert. Auch wenn deutsche Vereinsmannschaften selten in den Finals der Europapokale standen und die nationale Meisterschaft nur einmal, im Jahr 1931, gewonnen wurde, finden in Berlin regelmäßig Finals der Weltmeisterschaften und der Champions League statt.

Der Grund dafür? Der Olympiapark Berlin gehört zu den besten Sportkomplexen Europas und bietet eine erstklassige Bühne für Athleten aus aller Welt. Seine Geschichte ist faszinierend – ein Stadion, das sich wie ein Phönix mehrmals aus der Asche erhob. Lesen Sie mehr unter iberlin.eu.

Die Idee hinter dem Olympiapark Berlin

Bereits 1904 versprach Kaiser Wilhelm II. den Berlinern die Errichtung eines „Volksparks“. Doch stattdessen wurde 1909 nur eine Rennbahn angelegt, auf die das Grunewald-Hippodrom umzog.

Der Architekt Otto March entwarf eine Sportstätte für 40.000 Zuschauer auf einer Fläche von 85.000 m². Die Planungen für einen Sportkomplex wurden konkret, als Berlin sich 1908 als Austragungsort für die Olympischen Spiele bewarb – jedoch ohne Erfolg. Erst 1912 erhielt die Stadt den Zuschlag für die Olympischen Spiele 1916.

Ursprünglich war ein Standort in Charlottenburg westlich von Berlin vorgesehen. Doch die Regierung entschied, stattdessen die Rennbahn umzubauen. Ingenieure erkannten, dass im Inneren des Geländes ausreichend Platz für ein Stadion war und schlugen vor, den Zugang durch einen Tunnel unter der Rennbahn zu ermöglichen.

Die erste Version des Olympiastadions

German Stadium 1913

Im August 1912 begannen die Bauarbeiten unter Leitung von Otto March. Nach 200 Tagen war das „German Stadium“ fertig – doch der Architekt selbst erlebte die Eröffnung nicht mehr.

Am 8. Juni 1913 wurde das Stadion feierlich eingeweiht: 10.000 Tauben wurden in den Himmel entlassen, und über 60.000 Berliner und Gäste versammelten sich zur Eröffnung.

Kapazität:

  • 18.500 Zuschauer insgesamt
  • 11.500 Sitzplätze

Besonderheiten des Stadions:

  • 720-Yard-Radrennbahn
  • 650-Yard-Laufbahn
  • 108-Yard-Schwimmbecken am Rand der Radstrecke

Ein besonderes Symbol
Ein riesiger Eichenbaum, der sich am östlichen Rand des Stadions befand, wurde nicht gefällt, sondern als Glücksbringer erhalten – ähnlich dem heiligen Olivenbaum von Olympia. Er wurde zu Ehren des damaligen Staatsministers „Podbielski-Eiche“ genannt.

Doch die Olympischen Spiele 1916 fanden nie statt – der Erste Weltkrieg begann, das Stadion wurde geschlossen und als Militärkrankenhaus genutzt.

Neubelebung des deutschen Sports

Erst 1920 wurde der Sport wieder gefördert. Die Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin gründete das Deutsche Institut für Leichtathletik und nutzte das Stadion als Trainingsstätte.

In der Nähe des Schwimmbades entstand ein zweistöckiges Universitätsgebäude, entworfen von Werner March, dem Sohn des ursprünglichen Architekten. 1925 wurde der Sportkomplex in „Deutsches Sportforum“ umbenannt und unter die Verwaltung des Nationalen Olympischen Komitees Deutschlands gestellt.

Die große NS-Rekonstruktion

Umbau unter den Nationalsozialisten

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten erhielt das Gelände eine neue Bedeutung. Adolf Hitler missfiel das große, leere Areal der Grunewald-Rennbahn – er wollte mehr als nur ein Stadion.

Geplante Erweiterungen:

  • 86.000 Zuschauer fassendes Stadion
  • Eishockeyhalle
  • Reithalle
  • Schwimmbad
  • Freilichttheater

Da sich der Standort in direkter Nähe zum Maifeld, einem zentralen Versammlungsort der NSDAP, befand, wurde das Projekt rasch umgesetzt. Werner March erhielt den Auftrag – und hatte nur 28 Monate Zeit.

Sein Entwurf orientierte sich an antiken Sportbauten mit klaren geometrischen Formen. Die unterirdische Bauweise des unteren Stadionrings ließ das Stadion von innen größer erscheinen als von außen.

1936 war das neue Stadion fertig – die zweite Ära des Olympiaparks begann. Es wurde offiziell als „Reichssportfeld“ eröffnet, mit einer VIP-Loge für Hitler, die heute für Ehrengäste genutzt wird.

Glanzzeiten des Olympiaparks

Olympische Spiele 1936

Das Eröffnungszeremoniell der Olympischen Spiele 1936 war eine der größten Veranstaltungen Europas und wurde erstmals live im Fernsehen übertragen.

Weitere Highlights:

  • 1937: Endspiel des DFB-Pokals (Schalke 04 besiegte den 1. FC Nürnberg 2:0).
  • 1938: Großparade zum „Tag der nationalen Arbeit“.

Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde der Sportkomplex zunehmend für militärische Zwecke genutzt. Der Tunnel unter der Rennbahn wurde mit dickem Beton verstärkt, um als Bunker zu dienen.

Olympiapark nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Krieg wurde das Gelände zunächst von der Sowjetarmee besetzt, später von den britischen Streitkräften genutzt.

Rekonstruktionen:

  • 1974: Neue Überdachung für die Tribünen zur Fußball-WM
  • 2000–2004: Komplettsanierung für 242 Millionen Euro

Seitdem ist der Olympiapark Berlin Austragungsort internationaler Sportereignisse, darunter:

  • Fußball-WM 2006
  • Leichtathletik-WM 2009
  • Champions-League-Finale 2015

Konzertlocation
Seit dem Mauerfall wird das Stadion auch für Musikveranstaltungen genutzt – Stars wie The Rolling Stones, Madonna, Michael Jackson und Tina Turner traten hier auf.

2016 fand erstmals das „Lollapalooza Festival“ in Berlin statt – ein legendäres Event, das zuvor nur in Chicago, Südamerika und den USA ausgetragen wurde.

Olympiapark Berlin – ein Wahrzeichen Deutschlands

Ein Stadion mit Geschichte und Zukunft

Heute ist der Olympiapark Berlin eine der wichtigsten Sport- und Eventstätten Europas.

Besondere Merkmale:

  • Heimatstadion von Hertha BSC seit 1965
  • Austragungsort des DFB-Pokal-Finales seit 1985
  • Touristenattraktion mit der Olympischen Glocke und dem Glockenturm

Die letzte Renovierung bewahrte 70 % der historischen Bausubstanz. Gleichzeitig wurden moderne Elemente wie ein vollständiges Dach, VIP-Logen und ein erneuertes Untergeschoss integriert.

Der Olympiapark Berlin ist mehr als nur ein Stadion – er ist ein lebendiges Denkmal der deutschen Sportgeschichte.

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