10 Mai 2026

Der „Berliner Patient“: Die Geschichte eines Kampfes gegen HIV

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1998 gab ein junger Mann aus Berlin allen HIV- und AIDS-Erkrankten Hoffnung auf Heilung. Nach einer experimentellen Therapie konnte er das Virus ohne weitere antiretrovirale Behandlung in Schach halten. Dies bedeutete, dass die Vermehrung des HIV im Körper nicht mehr unterdrückt werden musste, wodurch das Fortschreiten der Krankheit gestoppt wurde. Um seine Sicherheit zu gewährleisten, blieb der Name dieses Mannes geheim, und er wurde als „Berliner Patient“ bekannt. Später erhielt ein weiterer Mann denselben Namen, um seine Anonymität zu wahren. Obwohl die Genesung dieser Patienten auf genetische Mutationen während der Behandlung zurückzuführen war, wurden sie zu einem Symbol der Hoffnung für viele Menschen mit HIV/AIDS und zu einer Inspiration für Virologen und Mediziner. Lesen Sie mehr unter berlin.eu.

HIV: Eine kurze Übersicht über die Krankheit

HIV (Human Immunodeficiency Virus) greift das Immunsystem an und schwächt die Abwehrmechanismen des Körpers, sodass dieser anfällig für andere Infektionen und Krankheiten wird. Das letzte, lebensgefährliche Stadium der HIV-Infektion wird AIDS genannt. Ohne angemessene Behandlung kann AIDS innerhalb von 8 bis 10 Jahren nach der HIV-Infektion auftreten. In diesem Stadium fällt es dem Körper schwer, Infektionen zu bekämpfen, was schnell zum Tod führen kann. Antiretrovirale Therapien verlangsamen und stoppen das Fortschreiten der HIV-Infektion, sodass sie nicht in das AIDS-Stadium übergeht.

HIV wird durch Blut, Geschlechtsverkehr oder von der Mutter auf das Kind übertragen. Es gibt keine äußerlichen Anzeichen, die auf eine Infektion hinweisen. Laut Experten ist die Hälfte der HIV-Infizierten sich ihrer Erkrankung nicht bewusst. Zwischen der Ansteckung und dem Auftreten von AIDS-Symptomen können mehr als 10 Jahre vergehen. Ein spezieller Bluttest ist erforderlich, um die Infektion nachzuweisen. Dabei gibt es ein „diagnostisches Fenster“, das heißt, der Virus kann erst 3 bis 6 Monate nach der Ansteckung nachgewiesen werden. Ärzte empfehlen daher, die Tests in regelmäßigen Abständen zu wiederholen.

Der erste „Berliner Patient“

Der erste „Berliner Patient“ war ein junger Mann, der von Heiko Jessen behandelt wurde. 1995 wurde bei ihm eine akute HIV-Infektion diagnostiziert, woraufhin er eine unkonventionelle Kombinationstherapie erhielt, bestehend aus Didanosin, Indinavir und Hydroxycarbamid. Bemerkenswert ist, dass letzterer Wirkstoff von der US-amerikanischen FDA nicht für die HIV-Behandlung zugelassen war. Diese Kombination war Teil einer kleinen Studie, die Dr. Jessen an Patienten mit akuter HIV-Infektion durchführte.

Nach einigen Unterbrechungen der Behandlung setzte der Patient die Therapie vollständig ab, wobei das Virus in seinem Körper in geringer Menge verblieb, sich jedoch nicht mehr vermehrte. Ein Bericht im New England Journal of Medicine (2014) kam zu dem Schluss, dass genetische Faktoren für die Kontrolle der Virusvermehrung verantwortlich waren. Trotz des ungewöhnlichen Genesungsverlaufs war Jessens Experiment ein Erfolg, da es die Möglichkeit einer Kontrolle des Virus aufzeigte, wenn auch in diesem Fall durch genetische Einflüsse.

Der zweite „Berliner Patient“: Timothy Ray Brown

2010 ging der zweite „Berliner Patient“, Timothy Ray Brown, an die Öffentlichkeit. Brown, ein US-Amerikaner, lebte und studierte in Berlin, als bei ihm 1995 HIV diagnostiziert wurde. 2007 entwickelte er akute myeloische Leukämie und erhielt eine Stammzelltransplantation, um die Leukämie zu behandeln. Das Besondere: Der Stammzellspender hatte eine genetische Mutation, die eine Resistenz gegen HIV bot, da sie das Andocken des Virus an Zellen blockierte. Ungefähr 10 % der Europäer haben eine solche genetische Mutation.

Drei Jahre nach der Transplantation wurde kein HIV mehr in Browns Blut nachgewiesen. Allerdings litt Brown an leukoenzephalopathischen Schäden, die bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem häufig sind. Dies macht die Methode für andere Patienten mit HIV ungeeignet, da sie zu riskant ist. Brown starb 2020 an den Folgen eines Krebsrezidivs, das trotz erfolgreicher HIV-Behandlung nicht besiegt werden konnte.

Weitere Fälle von Heilung

Im Jahr 2019 wurde der Fall eines weiteren Patienten auf der Konferenz für Retroviren und opportunistische Infektionen bekannt. Dieser „Londoner Patient“, Adam Castillejo, ist die zweite bekannte Person, die vollständig von HIV geheilt wurde. 2022 wurde die erste Frau der Welt bekannt, die durch eine Stammzelltransplantation von HIV geheilt wurde.

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