9 Februar 2026

Elsa Neumann – Die erste Physikerin in Berlin

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Das Gebiet, das heute die Bundesrepublik Deutschland umfasst, war vor 1871 ein Konglomerat protestantischer Fürstentümer, Grafschaften, Stadtstaaten und Territorien mächtiger Nachbarn. Dank der Politik des „Eisernen Kanzlers“ Otto von Bismarck konnten sich die deutschsprachigen Gebiete des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches zu einer Einheit zusammenschließen, Frankreich im Deutsch-Französischen Krieg besiegen und zuvor auch Österreich und Dänemark. Der Aufstieg Deutschlands zu einer der größten und einflussreichsten Mächte der modernen Welt wurde damit nicht gestoppt, sondern beschleunigt. Ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich Deutschland zu einem Land der Wissenschaftler, Ingenieure und Philosophen. Seine Kultur und die Errungenschaften seiner Industrie nahmen weltweit eine führende Rolle ein und waren nahe daran, andere Länder zu überholen. Ein möglicher Grund, warum das Kaiserreich nicht zur führenden Weltmacht wurde, war jedoch der fehlende Zugang von Frauen zur Hochschulbildung. Dieses Recht erlangten sie erst im frühen 20. Jahrhundert. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts schaffte es jedoch eine deutsche Frau – Elsa Neumann – ihre Dissertation zu verteidigen und eine herausragende Wissenschaftlerin an der Schwelle des neuen Jahrhunderts zu werden. Näheres über die berühmte Berlinerin berichtet die Webseite iberlin.eu.

Die Stellung der Frau im 19. Jahrhundert

Wie die Webseite jwa.org/encyclopedia berichtet, war die deutsche Frau im 19. Jahrhundert das Zentrum der Familie, in der sie für Kinder und Ehemann sorgte und dabei ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigte. Diese Frau erfüllte die Rolle einer Ehefrau, Mutter und Hausangestellten. In der Gesellschaft galt sie jedoch als jemand, der nichts tat und durch ihre angebliche Befreiung von häuslichen Pflichten den sozialen Status ihres Mannes symbolisierte. Gleichzeitig war sie im Familienleben für den Haushalt verantwortlich, den sie mit größter Sparsamkeit führen sollte. Sie musste die Wünsche ihres Mannes und ihrer Kinder berücksichtigen, sei es beim Kauf von Lebensmitteln, Haushaltsgegenständen oder bei der Zubereitung von Speisen.

Manchmal war die Arbeit so umfangreich, dass eine Dienstmagd eingestellt werden musste. Diese Information wurde jedoch oft verheimlicht, um nicht den Eindruck zu erwecken, die Frau arbeite nicht genug. Wenn es jedoch mehrere Dienstboten gab, durfte dies bekannt sein, doch die Frau selbst durfte nicht arbeiten, sondern nur die Angestellten beaufsichtigen.

Eigene finanzielle Mittel hatten Frauen nicht, weshalb sie gezwungen waren, ihren Mann um Geld zu bitten. Reichten die Mittel nicht aus, mussten sie entweder erneut bitten oder nach Möglichkeiten suchen, selbst Geld zu verdienen. Dies geschah oft heimlich durch den Verkauf von Stickereien oder Spitze. Solche Perspektiven waren für Elsa Neumann wenig erfreulich, weshalb sie versuchte, ihr Leben zu ändern.

Der Wunsch zu lernen

Das Mädchen, das den Namen Elsa erhielt, wurde am 23. August 1872 geboren. Ihre Eltern waren wohlhabend. Ihr Vater war der Bankier Max Neumann, ihre Mutter Anna war Hausfrau. In der Familie, in der Elsa aufwuchs, herrschte ein Kult der Aufklärung, des Wissensdurstes und des Strebens nach gesellschaftlicher Verbesserung. Dies wurde insbesondere durch Elsas Großmutter gefördert, die Schriftstellerin war. Elsa hatte drei Schwestern und vier Brüder. Dieses Umfeld beeinflusste ihr Bestreben, besser als andere zu sein. Ihr Bruder Oscar wurde ein berühmter Ornithologe und Reisender.

Die wohlhabende Familie ermöglichte es allen Kindern, eine Ausbildung zu erhalten. Aber nur Elsa durfte an einer Universität studieren. Man sollte jedoch nicht denken, dass dies einfach war wie heute. Ende des 19. Jahrhunderts hatten Frauen keinen Zugang zu Hochschulen. Das Streben von Frauen nach Bildung wurde in den Gesellschaften Europas, der USA und Australiens nur sehr langsam akzeptiert. Elsas Wunsch, zu studieren, erforderte viel Energie, Ausdauer und Unterstützung ihrer Familie. Deutschland war zwar ein fortschrittliches Land, aber Frauen hatten keinen Zugang zu höheren und mittleren Bildungseinrichtungen. Elsa erhielt lange Zeit Privatunterricht. 1890 legte sie ihre erste Lehrerprüfung ab, die keine Hochschulbildung erforderte. Dies bedeutete, dass sie praktisch eine Realschule abgeschlossen hatte (eine Schule, die sich vor allem auf Naturwissenschaften und Mathematik konzentrierte). Anschließend nahm sie Privatunterricht bei verschiedenen Wissenschaftlern und Hochschullehrern, um ihr Studium fortzusetzen. Ab 1894 studierte sie neun Semester Physik, Mathematik, Chemie und Philosophie an den Universitäten Berlin und Göttingen. Ihr Studium war unkonventionell, da Frauen nicht studieren durften, weshalb sie Gasthörerin in diesen Fächern war. Dazu war eine offizielle Genehmigung aller Professoren erforderlich, deren Vorlesungen sie besuchen wollte.

Die Promotion

Elsas Wunsch zu lernen erregte die Aufmerksamkeit berühmter Wissenschaftler ihrer Zeit wie Emil Warburg und Max Planck, die zu ihren Förderern wurden. 1898 erhielt Elsa Neumann den Doktortitel, nachdem das Bildungsministerium eine spezielle Genehmigung erteilt hatte. Ihre Dissertation trug den Titel „Über die Polarisationsfähigkeit umkehrbarer Elektroden“ und wurde 1899 in der Fachzeitschrift „Annalen der Physik“ veröffentlicht. Dies war die erste Doktorarbeit einer Frau in Physik. Dank der Förderung durch Planck und Warburg wurde sie Mitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Mit Elsa schlossen 22 weitere Frauen ihre Promotion ab. Neun Jahre später erhielten Frauen das Recht, gemeinsam mit Männern zu studieren.

Berufliche Tätigkeit

Nach ihrem Abschluss begann Elsa Neumann zu arbeiten. In Deutschland wollte man jedoch nicht akzeptieren, dass Frauen gemeinsam mit Männern Wissenschaft betreiben konnten. Deshalb setzte Elsa ihr Studium im Ausland fort. Von 1899 bis 1900 war sie Gaststudentin im Cavendish-Laboratorium in Cambridge (Großbritannien). Ab 1902 wurde sie Mitglied der Besatzung des Luftschiffs „Zeppelin“. Sie nahm an den ersten Flügen dieses Giganten der deutschen Luftfahrtindustrie teil.

Elsa strebte danach, an einer Universität zu arbeiten oder praktische physikalische Forschungen durchzuführen. Da ihr dies in Deutschland nicht möglich war, wechselte sie in die chemische Forschung.

Förderung der Frauenbildung

Elsa Neumann gründete 1900 die „Gesellschaft zur Gewährung zinsfreier Darlehen für studierende Frauen“, um anderen Frauen den Zugang zur Bildung zu ermöglichen. Die Organisation wurde von bekannten Wissenschaftlern und Persönlichkeiten unterstützt, darunter Max Planck und Walter Nernst.

Tod und Vermächtnis

Am 23. Juli 1902 starb Elsa Neumann bei einem Laborunfall. Nach ihrem Tod stiftete ihre Mutter eine Auszeichnung zu ihrem Gedenken. Seit 2010 wird in Berlin das Elsa-Neumann-Stipendium verliehen, das junge Wissenschaftler fördert.

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